Leitsätze
Leg Rechenschaft ab mit deiner Vernunft, um zu tun, was diese dir sagt auf dem Weg Gottes
Dieser Satz des spanischen Mystikers Johannes vom Kreuz enthält alle Leitworte des europäischen christlichen Erbes in einem Verweisungsgefüge, in dem jedes einzelne Wort seinen Sinn erhält. Keines der Worte steht also für sich allein. Fehlt eines der Worte, so stimmt das Ganze nicht. Dieser Satz dient dem Verlag als Maßstab, an dem er seine Publikationen messen will.
Leg Rechenschaft ab mit deiner Vernunft, um zu tun, was diese dir sagt auf dem Weg Gottes
Wille
Nicht ein Gefühl wird angesprochen, sondern der Wille. Es wird dazu aufgefordert, das zu tun, was die Vernunft einem sagt, wenn man mit ihr zu Rate geht.
Leg Rechenschaft ab mit deiner Vernunft, um zu tun, was diese dir sagt auf dem Weg Gottes
Rechenschaft ablegen
Wenn alle Autoriätsgefüge weggebrochen sind, niemand mehr für den anderen sprechen kann, muß der Mensch mit sich selber sprechen, vor sich selber Rechenschaft ablegen. Als höchste Instanz, an die er sich wenden kann, zählt allein die Vernunft (nicht die Gefühle), die ihm etwas sagt auf den Wege Gottes.
Leg Rechenschaft ab mit deiner Vernunft, um zu tun, was diese dir sagt auf dem Weg Gottes
Vernunft
Die Vernunft ist die unabhängige, freie Instanz im Menschen. Sie ist niemandem und nichts unterworfen. Sie gibt sich selber die Gesetze. Die Vernunft läßt sich nicht durch Gefühle beirren, sie spekuliert nicht, sondern sagt dem Menschen - mit der Vernunft sagt es der Mensch sich selber - , was er tun muß auf dem Wege Gottes.
Leg Rechenschaft ab mit deiner Vernunft, um zu tun, was diese dir sagt auf dem Weg Gottes
Tun
Das Ablegen von Rechenschaft bleibt im Unverbindlichen, wenn es nicht zum Handeln führt. Im Handeln setzt der Wille sich durch, ein ohnmächtiges Wünschen wird verlassen und es wird etwas realisiert. Das herumschweifende Denken wird gebündelt und auf einen Punkt konzentriert. Im Handeln verläßt der einzelne Mensch das endlose Palaver der Phärisäer, derer, die nur zu urteilen wissen - "die ohne Not urteilen" (Kant) - und die darum des Handeln scheuen.
Leg Rechenschaft ab mit deiner Vernunft, um zu tun, was diese dir sagt auf dem Weg Gottes
Sagen/Sprache
Die Sprache ist hier das Medium, in dem sich alles vollzieht. In ihr liegen schon feste Größen vor wie die Vernunft, die Rechenschaftsabgabe und der Weg Gottes. Die Sprache ist nicht das Unmittelbare, auch nicht das Vermittelte, sondern das Vermittelnde. Sie macht die Struktur des Selbst aus, die durch das Gespräch vermittelt wird. Die Konstitution der Sprache als Selbstgespräch geschieht dem Menschen auf den Weg Gottes als etwas, was ihm von außen kommt.
Leg Rechenschaft ab mit deiner Vernunft, um zu tun, was diese dir sagt auf dem Weg Gottes
Weg Gottes
Der Weg Gottes liegt nach christlichem Verständnis zunächst in der Schöpfung vor aller Augen. Will der Mensch aber wissen, was diese ihm sagt, so hält sie mit etwas an sich, weil sie nur wirr, auf alle mögliche Art von sich redet und dabei gerade von ihrem Schöpfer schweigt. Die Schöpfung hat dem Menschen nichts zu sagen. Gott brach allerdings nach christlichen Verständnis sein Schweigen in seinem Sohn. Der ist das Wort, das Gott sprach. Es erklingt wieder, wenn der Mensch es aufnimmt in sein Rechenschaft gebendes Selbstgespräch, in dem die Vernunft darüber wacht, dass es nur im Schweigen der Schöpfung gehört werden kann.
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